Das Licht des Häschenmonds taucht das Schulgelände in ein silbrig-blaues Schimmern, als ich mich allein auf den Weg zum Waldrand mache.
Alle reden stets Ăźber die Tradition, einen Wolpertinger zu fangen, aber ich weiĂ: Mit roher Kraft oder Schnelligkeit kommt man bei diesen Wesen nicht weit. Sie sind flink wie der Wind und spĂźren jede feindselige Absicht.
âNa los, Ălodieâ, flĂźstere ich mir selbst zu.
Ich suche mir eine kleine Lichtung, auf der das Mondlicht besonders hell auf das Moos fällt. Ein Wolpertinger lässt sich nicht jagen â man muss ihn einladen. Ich knie mich hin und lege meine Hände flach auf den Boden. Ich schlieĂe die Augen und lasse meine BlĂźtenmagie ganz sanft in die Erde flieĂen.
Unter meinen Fingern beginnt es zu beben. Langsam, fast wie im Zeitlupentempo, lasse ich seltene Mondviolen aus dem Boden sprieĂen.
Diese Blumen blĂźhen nur durch meine Magie und verstrĂśmen einen sĂźĂen, berauschenden Duft, der wie eine unsichtbare Wolke durch die kĂźhle Nachtluft schwebt.
Das ist mein KĂśder.
Ich ziehe mich in den Schatten einer alten Weide zurĂźck und mache mich ganz klein. Ich warte. Minuten vergehen, die sich wie Stunden anfĂźhlen. Dann hĂśre ich es: ein leises Rascheln, das Flattern kleiner FlĂźgel und das Scharren von Pfoten.
Da ist er! Ein prachtvoller Wolpertinger mit glänzendem Fell und einem winzigen Geweih, das im Mondlicht schimmert. Er ist unglaublich nervÜs, seine Nase zuckt ununterbrochen.
Er nähert sich meinen magischen Blßten, angelockt von dem Duft, den nur meine Magie erzeugen kann.
Jetzt muss ich vorsichtig sein. Wenn ich jetzt zuspringe, ist er weg, bevor ich blinzeln kann.
Stattdessen lasse ich meine Magie wie einen feinen Nebel aus BlĂźtenpollen aufsteigen. Ganz langsam und sacht hĂźllen die schimmernden Pollen das Tierchen ein.
Die Pollen meiner Schlafmohn-Variante wirken sofort: Der Wolpertinger wird langsamer, seine Augenlider werden schwer. Er knabbert noch einmal kurz an einer Lilie, dann rollt er sich inmitten meines kĂźnstlichen Blumenbeets zusammen und schlummert friedlich ein.
Ich trete leise aus dem Schatten hervor. Mein Herz klopft wie verrĂźckt.
Ganz vorsichtig hebe ich das kleine, warme BĂźndel hoch. Er ist weicher, als ich es mir vorgestellt habe.
âHab dichâ, flĂźstere ich stolz. Mit dem schlafenden Wolpertinger im Arm mache ich mich auf den RĂźckweg zur Schule, während der Häschenmond Ăźber mir wacht.















